Arequipa, Peru. 2.300 Meter über dem Meeresspiegel. – Genau hier beginnt das Abenteuer. Ohne große Akklimatisationszeit, nach einem Testlauf, bei dem wir einen deutlichen Leistungsunterschied verspürten, fassten mein Sportfreund Torsten und ich den Entschluss: Wir beginnen den Aufstieg. Das Ziel? Den mächtigen Chachani besteigen – einen eisigen Riesen von 6.075 Metern.
Wir organisierten uns einen Mietwagen, denn eine Agentur zu buchen, wäre schlicht zu teuer gewesen. Es musste ein Allradfahrzeug sein, alles andere wäre in diesem unwegsamen Gelände zwecklos. Allein die zweistündige Anfahrt zum Ausgangspunkt fraß den Staub der Piste und unsere Nerven.

Die Einsamkeit auf 5.200 Metern

Mitten in der Nacht, um 1 Uhr, ging es los. Wir starteten auf rund 4.000 Metern, marschierten durch Staub-, Stein- und Geröllfelder. Als wir das Basislager auf 5.200 Metern erreichten, bot sich uns ein fast unheimliches Bild: Kein Mensch. Keine Zelte. Stille.
Da standen wir nun. Komplett solo. Wer den Chachani besteigen will, wählt meist die Normalroute. Weil ich im Vorfeld jedoch dachte, der Berg wäre völlig überlaufen, hatte ich mich für die schwierigere der beiden Aufstiegsrouten entschieden.

Zu unserer Überraschung sollten wir jedoch den gesamten Tag über keinem einzigen Menschen begegnen. Nur wir, der Berg und die gnadenlose Kälte von schätzungsweise -15 °C.
Je höher wir stiegen, desto härter wurde es. Der lockere Schutt wich vereisten Schneeflächen, die in der Nacht steinhart gefroren waren. Auf etwa 5.700 Metern passierte schließlich das, was in dieser Höhe die sofortige Pause der Expedition bedeutet: Der Berg forderte seinen Tribut.

Die Wende am Grat

Torsten war völlig am Ende. Extreme Höhenprobleme machten sich bemerkbar – trotz all meiner Predigten, dass wir literweise trinken müssen. Er war komplett platt, ging keinen Schritt mehr weiter nach oben. Sicherheit geht vor – also stiegen wir ein gutes Stück ab.

Doch mein eigener Gipfeldrang war noch nicht gebrochen. Während Torsten erschöpft im Geröll wartete, fasste ich einen spontanen Entschluss: Ich gehe solo auf den Nachbarberg, den Cerro Angel mit seinen 5.875 Metern. Und verdammt, dieser Alleingang hatte es in sich. Ich musste mich durch extrem unangenehme, halb angetaute und wieder gefrorene Schneeflächen kämpfen. Zum Schluss, die letzten 100 Höhenmeter, ging es noch mal auf einem Grat entlang. Jeder Schritt forderte volle Konzentration. Jeder Schritt war reine Nervensache.

Als ich endlich den Gipfel erreichte, überkam mich die Erleichterung. Überglücklich. Die Sonne brannte mittlerweile am Himmel, die Aussicht über die Anden war schlichtweg fantastisch. Beim Abstieg wurde es sogar so heiß, dass die dicken Wintersachen im Rucksack landeten.
Nach herausfordernden 14 Stunden waren wir wieder an unserem Auto. Völlig übermüdet, am Ende unserer Kräfte, aber vollgepumpt mit Erlebnissen, die man nie wieder vergisst.

Wir wollten unbedingt den Chachani besteigen und den weltberühmten Vulkan Misti bezwingen. Jetzt ist es spontan dieser dritte, ungeplante Gipfel geworden. Aber die Geschichte in Peru ist noch lange nicht vorbei. Die beiden Riesen stehen immer noch da draußen und warten auf uns. Morgen geht es weiter…

Viele Grüße aus Peru sendet Frank

Der MDR begleitet mich auf meiner Everest & Lhotse Mission.
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