Arequipa, Peru. Berg drei. Zwei extreme Bergbesteigungen lagen hinter uns – und die Spuren waren unübersehbar. Meine Wanderschuhe? Komplett zerstört, die Sohlen abgerissen. Sie lagen beim lokalen Schuster in der Stadt. Doch wer glaubt, dass uns das bremst, kennt unseren Gipfeldrang nicht. Das nächste Ziel wartete schon: Wir wollten den 5.565 Meter hohen Pichu Pichu besteigen.
Verpasse nicht die ersten beiden Teile unseres Peru-Abenteuers:
Die Anreise war bereits beeindruckend. Mit unserem Allrad-Mietwagen kämpften wir uns zwei Stunden lang über raue Offroad-Pisten nach oben, bis wir auf über 4.000 Metern Höhe an einem Salzsee (Laguna de Salinas) ankamen. Hier startete das nächste Abenteuer – und das unter denkbar ungewöhnlichen Bedingungen. Es war 14:00 Uhr mittags, als wir losmarschierten. Mein Outfit für einen Fünftausender? Kurze Hose, T-Shirt, minimales Gepäck und – mangels Alternative – leichte Laufschuhe.

Der Blick des Guides am Vulkan
Nach etwa anderthalb bis zwei Stunden zähen Aufstiegs trafen wir auf eine dänische Reisegruppe. Wir kamen nett ins Gespräch, doch ihr einheimischer Bergführer musterte mich die ganze Zeit über irritiert. Er konnte einfach nicht fassen, dass da ein Typ in dünnen Laufschuhen und Trailrunning-Montur im Zickzack die steilen Geröll- und Schotterfelder hochjagte, während seine eigenen Leute in voller Hochtouren-Ausrüstung schwitzten. Das ließ mich doch schmunzeln.
Der Weg war eine mentale Schinderei. Wer den Pichu Pichu besteigen will, muss sich auf kilometerlange Serpentinen über steilen Schutt und loses Geröll einstellen. Jeder Schritt im lockeren Schotter kostete Kraft, und es geht unaufhörlich im Zickzack gen Gipfel. Ich fing an, Torsten richtig zu ziehen und zu motivieren. Aufgeben war heute keine Option. Wir hatten ein Date mit dem Gipfel.

Gipfelglück in Peru: Den Pichu Pichu gemeinsam besteigen
Und dann, kurz vor Sonnenuntergang, passierte es: Wir standen oben. Auf 5.565 Metern. Der Wind da oben war brutal und peitschte uns ins Gesicht. Ich zog schnell meine lange Hose und die Windjacke an, die ich im Minimalgepäck dabei hatte.
Aber der Ausblick entschädigte für all die Anstrengung über die Schotterfelder. Es war ein fantastischer Moment, denn nach all den Rückschlägen und Solo-Gängen der letzten Tage war es der allererste Gipfel, den Torsten und ich auf dieser Reise gemeinsam bezwungen hatten. Doch die Anden lassen dich nicht ohne Gegenwehr gehen.

Die Dunkelheit bricht im Geröllfeld ein
Als das letzte Licht hinter den Gipfeln versank, wurde es schlagartig pechschwarz. Das Thermometer stürzte in den Keller. Im Schein unserer Stirnlampen machten wir uns an den zähen, anstrengenden Abstieg durch die unebenen Schotterfelder.
Als wir Stunden später endlich das Auto erreichten, zeigte das Thermometer eisige -3 °C. In Kombination mit dem heftigen Wind war es unerträglich ungemütlich. Torsten fror mächtig. Ich dagegen fühlte mich trotz der Strapazen total fit, pudelwohl und einfach nur erleichtert, dass wir das Ding gemeinsam gerissen hatten. Was für fantastische Eindrücke, was für eine Reise.

Doch eine Geschichte auf unserem 7-tägigen Trip nach Peru sollte noch geschrieben werden. Lies mehr dazu im nächsten Beitrag.
Viele Grüße aus Peru sendet Frank

Der MDR begleitet mich auf meiner Everest & Lhotse Mission.
Hier kannst du einen Beitrag dazu ansehen.


